harmonisches Zusammenleben mit Kindern

geschrieben von Katharina Boka

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26. März 2020

Lesezeit: ca. 6 Minuten

3 clevere Schritte für ein harmonisches Zusammenleben mit Kindern

Harmonisches Zusammenleben mit Kindern und das in extremen Situationen? Klingt schon fast zu schön um wahr zu sein. Oder ?

Die aktuelle Lage verlangt viel von euch und euren Kindern ab. Von heut‘ auf morgen bleibt alles regelrecht stehen. Die Kindergärten und Schulen bleiben über Wochen geschlossen. Ihr wechselt -zum Teil- ins Home Office und die Kinder ins Home Schooling oder Home Kindergardening (Wortneuschöpfung). Was ihr leistet ist außerordentlich! Haushalt, Kinder, Schule, Entertainment, Arbeit,.. Mit was zuerst beginnen? Wie soll man da allen gerecht werden? und am besten noch in einem harmonischen Miteinander (oder salopp gesagt: dass man sich nicht auf die Nerven geht!)

„…Da muss Struktur her!“ sagen die einen. „Schafft einen guten Tagesablauf, dann wird das schon!“ sagen die anderen. Das stimmt schon. Unendliche Stundenpläne werden zum Download bereitgestellt, Tagespläne zum ausdrucken werden empfohlen und so weiter, und so weiter…

Aber ist es damit tatsächlich getan? 

Was soll man mit den ganzen schönen Plänen, wenn man doch nicht weiß was man damit wirklich machen soll oder es trotzdem nicht so recht klappen will?

Wir haben euch einen kleinen Übersicht in Form eines Leitfadens zusammengestellt! 
…natürlich alles basierend auf dem Montessori Erziehungsmodell..

Was die drei großen Geheimnisse für ein harmonisches Zusammenleben sind?
Diese drei Schritte!

  1. Für sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten sorgen
  2. Die Konzentration des Kindes schützen
  3. Übersicht und Ordnung schaffen

Also, Ärmel hochgekrempelt und ran an die Buletten

Sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten

Gelangweilten Kindern fallen oftmals die unmöglichsten Dinge ein. Gerade was das harmonische Zusammenleben betrifft, sind diese -sagen wir mal- „Überraschungen“, echte Herausforderungen für die elterlichen Nerven. Sie sollten nicht zu streng mit ihnen sein, denn damit (also mit jeder Menge Unfug) versuchen sie einen Weg aus ihrer verzweifelten Lage des „Nichtstuns“ zu finden. 

Durch sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten wird der Geist des Kindes angeregt und genährt, was wiederum dazu führt, dass aus Unlust und Leere, Freude an Spiel und Schaffen wird. 

Selbstverständlich bedarf es zur Anregung des Kreativen Geistes des Kindes an Materialien. Kinder lieben Materialien die sie herausfordern. Hierzu gehören alle Materialien, welche sie zum Basteln, Werken, Experimentieren, Konstruieren oder zum Überlegen anregen, wie beispielsweise:

  • Klopapierrollen, Küchenrollen, Pappe
  • Papier
  • Klebstifte (+ Klebeunterlage)
  • Bleistifte, Buntstifte, Wachsstifte, Wasserfarben (+ Malunerlage)
  • Kinderschere (je nach Alter und Vernunft des Kindes)
  • Stoff-Reste
  • Woll-Reste
  • Perlen
  • Nadel (je nach Alter und Vernunft des Kindes)
  • Naturmatrialien 
  • Korken
  • Kleine Gegenstände zum Sortieren (Nüsse, Holzperlen, Murmeln)
  • Weiches Holz 
  • Schrauben und Nägel (je nach Alter und Vernunft des Kindes)
  • Einfaches Werkzeug -Schraubenzieher, Hammer, kleine Säge- (je nach Alter und Vernunft des Kindes)
  • Puzzles
  • Würfelspiele
  • Denk- und Konzentrationsspiele
  • Spielzeug zum Bauen und Konstruieren
  • Bücher (Bilder-, Sachbücher, Lexika)

Es muss nicht immer alles gekauft werden. Das was sowieso schon zuhause ist, eignet sich hervorragend für die Beschäftigungen.

Was sind sinnvolle Beschäftigungen?

Sinnvolle Beschäftigungen sind solche, in denen das Kind die Erfahrung macht, es hätte etwas PRODUKTIVES getan. Entwickelt es seine motorischen, logischen und kognitiven Fähigkeiten weiter, so empfindet das Kind seine Beschäftigung als produktiv. Ganz einfach 😉

Es geht dabei besonders darum, dass das Kind die Beschäftigung alleine durchführen kann. Sprich, nach einer kleinen Hilfestellung am Anfang, sollte das Kind in der Lage sein, selbstständig zu arbeiten. Ist dies gegeben, so ist die Beschäftigung mindestens altersgerecht. Wenn Sie Ihrem Kind, bei jedem Schritt helfen müssen -auch nachdem Sie alles erklärt und mit ihm einmal durchgegangen sind- so ist die Aufgabe eventuell zu schwer. Der gewünschte Effekt des Erfolgserlebisses bleibt aus und es wird kontra-produktiv. Daher ist es besonders wichtig ohne zu werten zu beobachten:

  • was kann mein Kind bereits?
  • hat es Interesse an der Aufgabe?
  • erklärt es mir vielleicht schon einzelne Teile der Aufgabe -> ein gutes Zeichen, dass es versteht worum es geht
  • ist es gelangweilt? -> zeigt, dass es mit dieser Aufgabe unter- oder überfordert ist

Warum es wichtig ist, bei der Beobachtung nicht zu werten

Die Wertung kann in beide Richtungen gehen:

  1. Man traut dem Kind etwas (noch) nicht zu. Das ist oft beim Schneiden der Fall.
  2. Man findet, dass das Kind etwas schon tun könnte oder können müsste. z.B. weil andere Kinder es schon können.

Beide Male wird die Situation aus Erwachsenensicht gewertet. Das hilft jedoch dem Kind kein bisschen. Es ist oft unheimlich schwer sich zurückzunehmen und das Kind mal machen zu lassen. Zu helfen und gleichzeitig nicht ungeduldig zu werden. Das ist schwer, aber dadurch lernen Sie Ihr Kind gut einschätzen zu können und es fühlen zu lassen, dass Sie ihm vertrauen. Der große Lohn ist das Vertrauen des Kindes, was dadurch sein eigenes Selbstvertrauen aufbaut. Kaum zu glauben, aber durch solche kleinen und kontinuierlichen Gesten elterlichen Vertrauens, helfen Sie tatsächlich dabei das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken! Ist das nicht wunderbar?

Wir gehen dabei noch einen Schritt weiter:

Die Konzentration des Kindes schützen 

Die Fähigkeit für konzentriertes Tun ist eine wesentliche Voraussetzung für die gesunde Entwicklung des Kindes.

Das Kind sollte während seinem Tun möglichst nicht gestört werden. 

Zurückhaltung bedarf es auch bei den Vorschlägen für mögliche Beschäftigungen. Dem Kind soll die Wahl gelassen werden, denn wenn es selbst entscheidet, was es tun möchte, wird es sich auch intensiver damit beschäftigen. 

Wichtig ist auch dem Kind den Freiraum zu lassen, sich selbst zu beschäftigen. Und wenn das Kind mal in seinem Schaffen nicht weiterkommt, sollten wir uns nicht gleich dazu verleiten lassen ihm einen Lösungsvorschlag vorzulegen. Nur wo es wirklich notwendig ist, können wir ihm einen kleinen Schritt weiterhelfen. Ganz getreu dem bekannten Leitsatz von Maria Montessori:

„Hilf mir, es selbst zu tun!“.

Das Kind einfach mal machen lassen

Gerade, wenn es nicht anders geht, und die Kinder zuhause sind, dreht sich irgendwie alles um die Kinder. Wie soll man sie beschäftigen? Was soll man jetzt gemeinsam tun? Wie die Langeweile der Kinder „bekämpfen“?
Das Ergebnis ist

  • ein unterschwelliger Druck, was man als nächstes tun soll sobald die aktuelle Beschäftigung vorüber ist.
  • das was man zusätzlich zu tun hat, z.B. die Hausarbeit bleibt liegen oder läuft auf Sparflamme.

Wenn man das nicht unbedingt möchte, dann gibt es gute Neuingkeiten!
Das muss nicht sein.
Im ersten Punkt hatten wir über die Wichtigkeit von sinnvollen Beschäftigungen gesprochen und dass es wichtig ist die Kinder machen zu lassen ohne (unnötig) einzugreifen. Hier gehen wir noch einen Schritt weiter.

Es gilt nicht das Kind einfach machen zu lassen, sondern die Konzentration des Kindes zu schützen. Damit wird es uns zur Aufgabe, darauf zu achten, dass das Kind die Gelegenheit bekommt in der Aufgabe zu versinken und sie so erledigen.

Das Ergebnis: Das Kind beschäftigt sich konzentriert und leise mit seiner Aufgabe. Vertrauen Sie Ihrem Kind! Es ist in der Lage dazu und hat auch den Willen dafür. Aber setzen Sie sich und Ihr Kind nicht unter Druck, denn auch das will geübt sein. Fangen Sie mit kleinen Schritten an. Sie werden sehen, mit der Zeit ist es ganz normal geworden 🙂

Damit die nötigen Vorraussetzungen dafür gegeben sind ist nun ein dritter Schritt nötig:

Übersicht und Ordnung schaffen

Ordnung ist bekanntlich wichtig. Denn die „äußere“ Ordnung einzuhalten heißt, die „innere“ Ordnung zu finden. 

Es ist ein großer Unterschied, ob sich das Kind das Material im ganzen Haus oder der ganzen Wohnung erst zusammensuchen muss und es deshalb sein Vorhaben vielleicht gänzlich lässt, oder ob alles griffbereit in seinem Regal/ Schrank vorzufinden ist. 

Es ist sinnvoll für eine gewisse Übersicht und Ordnung in den Kinderzimmern zu sorgen. Alle Materialien (wie bereits im ersten Punkt erwähnt) sollten ihren festen Platz im Regal oder Schrank haben (der Aufbewahrungsort sollte dem Kind immer zugänglich sein), damit nicht erst lange unnötig danach gesucht werden muss.

Bausteine, Spielautos, Puppen, Kuscheltiere, Eisenbahn und dergleichen dürfen und sollten sogar nicht jeden Tag aufgeräumt werden müssen. 

Hierzu ein kleiner Tipp: Im Kinderzimmer ein sehr großes Tuch auslegen um es später beim Aufräumen leicht zu haben. Es müssen dann lediglich alle vier Ecken des Tuchs aufgehoben werden um den Inhalt (z.B. Bausteine) in die vorgesehenen Kiste zu räumen 🙂

Loslassen heißt aufatmen

Mit unserem Leitfaden wollen wir Sie, liebe Eltern, dazu ermutigen die Kinder „mal machen zu lassen“. Nehmen Sie sich den Druck, für das Entertainment der Kinder rund um die Uhr verantwortlich zu sein. 

Die aktuelle Situation verlangt schon genug von Ihnen ab. 


2 Kommentare

  1. Avatar

    THAT´S IT!!! Hier liest man die Fachfrau heraus 😉
    Toller Leitfaden für die Zuhause-Zeit.

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    • Avatar

      Vielen Dank! Das ist ein schönes Kompliment :))) Da freuen wir uns sehr!

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